Konstanz – Damals und Heute

Konstanz hat mit der Imperia im Hafen eine vollbusige Hure als Wahrzeichen. Sollte man nicht für möglich halten in einem Bundesland, das bis 2011 durchgehend seit der Gründung eine konservative Landesregierung gestellt hat. Andererseits erinnert die Dirnenstatue an eine Zeit, in der Konstanz noch von Stadtmauern umringt war und Andersdenkende bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.

Von 1414 bis 1418 wurde im Konzil der größte Kongress des Mittelalters abgehalten, Päpste wurden abgesetzt, ein neuer gewählt. Wo damals Kardinäle und Erzbischöfe tagten, wird heute zur »Konzilparty« getanzt. Bald steht dieses Ereignis wieder im Mittelpunkt der Stadt: Denn 2014 bis 2018 jährt sich das Konstanzer Konzil zum 600. Mal. Die Stadt feiert dieses weltgeschichtliche Ereignis im großen Stil mit Ausstellungen, Theateraufführungen, Stadtfesten, Ritterspielen und wissenschaftlichen Tagungen.

Doch nicht alles hat sich seit damals verändert: »Denk ich an den Bodensee, tut mir gleich der Beutel weh« , textete einst ein Minnesänger. Wer je in einem Café an der Marktstätte eingekehrt ist, weiß um die seherische Kraft dieser Zeilen. Und das obwohl der Platz im Mittelalter noch Bodensee war.

Geschichte ist in Konstanz allgegenwärtig: In der Malhaus-Apotheke am Obermarkt wird seit über 600 Jahren Medizin verkauft. Die ersten Festungen der Römer auf dem Münsterhügel könnt ihr heute noch besichtigen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Konstanz nicht bombardiert, weil die Alliierten Sorge hatten, die unmittelbar benachbarte neutrale Schweiz zu treffen. So blieb die malerische Altstadt erhalten, die seit 1982 unter Denkmalschutz steht.

Wer heute in der Chérisy- oder Jägerkaserne Party macht, tut dies an einem Ort, an dem von 1945 bis 1979 französische Soldaten stationiert waren. Heute prägen Studenten und Familien die Szene. Von den gut 80.000 Konstanzern sind etwa 16.000 Studis. Konstanz ist also doch eine junge Stadt.